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CPW>Erzähl mal, was Du genau in Deinem Job alles so machst. Interessiert

CPW>mich!

Nennt sich das Hausverwalter?

Stimmt. Ich bin Hausverwalter. Stell Dir vor, Du hast ein eigenes Haus.
Dann machst Du alles, was damit zusammenhängt. Stell Dir vor, Du hast
eine Eigentumswohnung. Dann kannst Du zwar alles machen, was in Deiner
Wohnung ist, aber darüber hinaus nichts. Denn der Rest gehört Dir dann
z. B. zu 66%. (Promille), das ist oft so. Oder noch weniger. Damit Du mit
den Leutchen, die mit Dir im Haus wohnen, übereinkommst, brauchst Du
einen Vermittler. Einen der alles, was ihr dann beschliesst, ausführt.

Handwerker beauftragt, falls nötig, Versicherungen abschliesst, Strom
bestellt und Wasser und Abwasser und Mülltonnen und Schlüssel und den
Hausmeisterdienst beauftragt - das alles auch zahlt von einem Konto, auf
dem Dein Anteil Geldes drauf liegt, dass Du als Anteil zu den allgemeinen
Kosten darauf einzahlst. Der mit der Bank alles regelt in der Hinsicht.
Der die Bücher führt, der alle Korrespondenz mit Ämtern usw. erledigt,
die das Gemeinschaftseigentum betrifft.

Der Hausverwalter ist auch da, wenn etwas an bei oder in Deiner Wohnung
passiert. Wenn z. B. das Klo nicht funktioniert, ist wahrscheinlich die
Windel von Deinem Kleinen drin, aber wenn dadurch schon weitere Leute
verstopfte Klos haben, weil ihr Klo ins selbe Fallrohr mündet? Der
Hausverwalter muss alle Technischen Einrichtungen, die gemeinschaftlich
benutzt werden, kennen. Da gehört auch die Einrichtung Deiner Wohnung
dazu, denn Strom, Wasser, Abwasser und Kabelfernsehen kommen über ein
gemeinschaftlich benutztes Netz.

Ich kenne in den Häusern, die ich verwalte, alle Schieber an
Versorgungssträngen, alle Verteiler, weiss, wo die Hebeanlagen sitzen und
wie sie funktionieren, kenne die Plätze der Stromzuführungen, weiss, wo
die Telefonzuführungen sind, kenne die Funktion der Stapelparker und auch
die Tricks, die zu tun sind, wenn mal was nicht funktioniert, kenne alle
Notfunktionen der Toranlage der Tiefgaragen, der Heizungsanlagen, kenne
die Grundrisse der Wohnungen (sehr wichtig bei Wasserschäden), habe alle
Schlüssel in alle Bereiche, kenne alle Mieter und Eigentümer, darf im
Notfall die meisten Wohnungen betreten...

In letzter Zeit muss ich oft mit Polizei oder Feuerwehr telefonieren, weil
immer wieder irgend ein Idiot die Mülltonnen abfackeln muss. Dann muss
ich herausfinden, wer eigentlich da war, um es der Versicherung zu melden.
Die Picks kommen schon gar nicht mehr, weil es so oft brennt. Scheiss-
Brandstifter! Ich frage mich, ob es irgend eine tiefere Befriedigung mit
sich bringt, Müll anzustecken. Die können doch nicht mal zusehen...
<achselzuck>...

Ich sorge dafür, dass die Briefkästen richtig beschriftet sind, mache
Zwischenablesungen bei Ein- und Auszügen der Heizkosten- und
Wasserzähler, einmal im Jahr muss ich eine Hausabrechnung erstellen
(Gegenrechnung der Vorauszahlungen und tatsächlichen Kosten), muss ein
Budget fürs Folgejahr erstellen, eine Eigentümerversammlung einberufen
und leiten, dazu ein Protokoll schreiben.

Eine Reihe Aufgaben sind im WEG (Wohneigentumsgesetz) definiert.
Mindestens die letzten. Der Umfang der technischen Kenntnisse und
Fähigkeiten ist nicht vorausgesetzt. Ich kümmere mich eben darum. Aber
das macht einen guten Hausverwalter aus, dass er nicht nur Kaufmann ist,
sondern auch zumindest im Grunde die Handwerker versteht - nicht zuletzt
für die Rechnungsprüfung ist das sehr wichtig.

Ich meine, dass reicht erstmal ;-))

Der Unterschied zum Hausmeister sollte klar sein. Der bekommt von mir
gesagt, was er wo machen soll. Der weiss das alles nämlich gar nicht und
will es auch nicht wissen. Er putzt und hält den Garten sauber und mäht
den Rasen und tauscht defekte Glühbirnen aus...
 
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© R. Otto Heydorn, 1998-2000